Alexander Newski Kathedrale Sofia

Alexander Newski Kathedrale

Sofia ist keine Stadt, die einen sofort überwältigt. Die bulgarische Hauptstadt ist ruhiger als Prag, weniger touristisch als Budapest, und viele Reisende fahren durch Osteuropa daran vorbei, ohne länger zu bleiben. Das ist ein Fehler. Vor allem weil mitten in der Stadt ein Gebäude steht, das einen sprachlos macht, sobald man davor steht.

Die Alexander Newski Kathedrale ist das bekannteste Bauwerk Bulgariens. Nicht weil man es so sagt, sondern weil man es sieht. Sie erstreckt sich über eine Fläche von 3.170 Quadratmetern, bietet Platz für 5.000 Menschen und ist die größte Kathedrale auf dem Balkan. Wenn man um die Ecke biegt und plötzlich vor ihr steht, braucht man einen Moment.

Wie es dazu kam

Die Kathedrale steht nicht zufällig dort. Sie hat einen Grund, und der liegt in der Geschichte des Landes. Sie wurde zur Erinnerung an Zar Alexander II. und die rund 200.000 russischen Soldaten errichtet, die bei der Befreiung Bulgariens von der osmanischen Herrschaft im Russisch-Osmanischen Krieg von 1877 bis 1878 starben. Bulgarien war Jahrhunderte lang unter osmanischer Kontrolle, und ohne den russischen Einsatz in diesem Krieg sähe das Land heute anders aus. Die Kathedrale ist also kein religiöses Gebäude im üblichen Sinne. Sie ist gleichzeitig ein Denkmal, ein Dankeschön in Stein.

Der Grundstein wurde 1882 gelegt, der eigentliche Bau erfolgte jedoch größtenteils zwischen 1904 und 1912. Das war keine schnelle Angelegenheit. Dreißig Jahre vom ersten Plan bis zur Fertigstellung. Man sieht die Sorgfalt, die dahinter steckt.

Die Beleuchtungskörper wurden in München hergestellt, die Elemente der Pforte in Berlin gefertigt und der gesamte Bau der Pforte fand in Wien statt. Die Mosaike hingegen wurden in Venedig hergestellt. Das ist kein nationales Projekt, das war ein europäisches. Und das sieht man dem Gebäude an, wenn man genau hinschaut.

Was man von außen sieht

Die Kathedrale ist über 73 Meter lang und 53 Meter breit und hoch. Die Kuppeln sind vergoldet und dominieren das Stadtbild rund um den Alexander Newski Platz. Je nach Tageszeit und Licht wirken sie anders. Morgens eher kühl und ruhig, nachmittags im Sonnenlicht fast orange. Nachts, wenn die Außenbeleuchtung angeht, ist das Ganze nochmal eine andere Sache.

Der Platz vor der Kathedrale ist groß genug, um Abstand zu gewinnen und das Gebäude als Ganzes zu sehen. Das sollte man tun, bevor man näher tritt. Die Dimensionen erschließen sich erst aus der Distanz.

Was man drinnen findet

Innen wird es ruhig. Auch wenn gerade viele Besucher da sind, zieht die Kathedrale die Lautstärke auf sich. Sie hat fünf Kirchenschiffe und ist im Inneren mit Gold, Mosaiken, Marmor und Schnitzwerk geschmückt. Die Fenster sind mit Glasmalereien versehen, Wände und Kuppeln mit Fresken.

Die zentrale Kuppel ist bis zu 45 Meter hoch, der Glockenturm erreicht 53 Meter. Man muss den Kopf in den Nacken legen, um das alles zu sehen. Die Fresken in den Kuppeln sind detailliert bis an die Grenze des Erkennbaren, weil das Licht dort oben schwach ist. Das gehört dazu.

Fotografieren im Inneren ist möglich, kostet aber eine kleine Gebühr, die man bar zahlt. Wer das nicht möchte, lässt die Kamera einfach stecken und schaut. Manchmal ist das die bessere Entscheidung.

Die Krypta

Unter der Kathedrale liegt ein Museum, das viele Besucher gar nicht kennen. Die Sammlung zeigt orthodoxe Ikonen, Freskenfragmente, Manuskripte und liturgische Objekte, die die christliche Kunst auf dem Gebiet Bulgariens vom 4. Jahrhundert bis zum 19. Jahrhundert repräsentieren.

Die Kirche behauptet, dieses Museum beherberge die größte Sammlung orthodoxer Ikonen in Europa. Ob das stimmt, lässt sich schwer prüfen. Aber die Sammlung ist beeindruckend und lohnt den Umweg durch den Seiteneingang in den Untergrund.

Praktisches

Die Kathedrale ist täglich von 7 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos. Angemessene Kleidung wird erwartet, kurze Hosen und Schultern frei sind in orthodoxen Kirchen nicht erwünscht. Das gilt auch für Besucher, die nur kurz reinschauen wollen.

Der Platz davor ist ein guter Ausgangspunkt für die weitere Erkundung der Innenstadt. Gleich in der Nähe liegt die Nationalbibliothek, die Nationalkunstgalerie und die alte Kirche der Heiligen Sofia, die deutlich unscheinbarer ist als ihr großer Nachbar, aber historisch noch älter.

Was bleibt

Die Alexander Newski Kathedrale ist kein Geheimtipp. Sie ist das erste, was jeder Reiseführer über Sofia erwähnt, und das zu Recht. Was überrascht, ist wie wenig man sich darunter vorstellen kann, bevor man selbst davor steht. Fotos helfen nicht wirklich weiter. Das Gebäude braucht den echten Blick.