Sofia – was diese Stadt so besonders macht
Olga und Andreas waren Silvester dort. Nicht als klassische Touristen mit Programm, sondern einfach um zu schauen, was in dieser Stadt so passiert. Und genau das ist eigentlich der beste Grund, nach Sofia zu fahren.
Die bulgarische Hauptstadt macht beim ersten Eindruck keinen großen Show. Wer vom Flughafen in die Innenstadt fährt, sieht erst mal Plattenbauten, breite Straßen und ein paar Jahrzehnte Nachkriegsgeschichte, die sich in der Fassade festgebissen haben. Aber dann, irgendwo zwischen dem ersten Kaffee und dem zweiten Spaziergang, fängt die Stadt an zu reden.
Auf engstem Raum stehen hier Dinge beieinander, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben wollen. Gleich hinter dem kommunistischen Parteigebäude ragt das Minarett der Banja Baschi Moschee in den Himmel. Daneben römische Ruinen, die beim U-Bahnbau einfach auftauchten und jetzt direkt in der Station zu besichtigen sind. Und ein paar Schritte weiter die Alexander Newski Kathedrale mit ihren grüngoldenen Kuppeln, die größte orthodoxe Kirche auf dem Balkan. Das alles läuft einem nicht aufgesetzt entgegen, das liegt einfach so da.
Silvester in Sofia ist dabei eine ganz eigene Sache. Die Stadt feiert, aber ohne die große Inszenierung, die man aus anderen europäischen Hauptstädten kennt. Es ist lauter, direkter, echter. Die Leute stehen draußen, trinken Rakia, und irgendwo läuft Musik. Wer in der Silvesternacht durch die Innenstadt läuft, erlebt Sofia so wie es wirklich ist.
Was sonst noch auffällt: die Preise. Ein Abendessen mit Wein kostet einen Bruchteil von dem, was man in Dresden oder München gewohnt ist. Die bulgarische Küche ist deftig und gut. Schopska Salat, gegrilltes Fleisch, Bob Tschorba, dazu ein lokaler Wein und zum Abschluss ein Rakia. Mehr braucht man nicht.
Das Vitosha Gebirge liegt direkt vor der Stadt. An klaren Tagen sieht man es von überall. Im Winter liegt Schnee oben, im Sommer gibt es Wanderwege bis zu den Boyana Wasserfällen. Rund 90 Kilometer südlich wartet das Rila Kloster, das größte und bekannteste Kloster Bulgariens, für einen Tagesausflug.
Sofia ist keine Stadt, die man sofort liebt. Aber wer sich zwei, drei Tage Zeit nimmt und einfach durch die Viertel läuft, findet eine Hauptstadt, die noch nicht von Touristen durchpoliert wurde. Genau das macht sie gerade so sehenswert.
